Die Geschichte des Schmuckes
Die Geschichte des Schmuckes ist so alt, wie die menschlichen Eitelkeit. Selbst in frühester Zeit fand der Mensch einen Vorwand, um seinen Narzißmus zu befriedigen: er ersann Hierarchien, welche Rangabzeichen verlangten. Dies waren in der Regel kostbare oder von Natur aus weniger kostbare, erst durch handwerkliches Talent an Wert gesteigerte Gegenstände. Die Bewertung der Materialien steht zu der Ära in Beziehung, in der sie verwendet wurde: ein vor über zwanzigtausend Jahren aus Meermuscheln angefertigtes Halsband läßt sich unter bestimmten Gesichtspunkten mit einem mit großen Perlen bestückten Kollier aus der Zeit Ludwig XIV. vergleichen.
Die frühesten Beispiele von Personenschmuck sind in Funden aus der Altsteinzeit und auf Felsbildern späterer Epochen zum Vorschein gekommen. Die Prähistoriker nennen solche vorgeschichtlichen Zierat "persönliche Kunstwerke". Darunter sind für unser Thema nur diejenigen von Belang, welche zu ihrer Zeit für kostbar angesehen wurden: Arbeiten aus Elfenbein, von Mammutzähnen, aus Rentiergeweih, seltener aus Bernstein oder Lignit. Meist von geringem Umfang (5-6 cm), eckiger oder rundlicher Form, wurden sie zuweilen je nach Region und Periode, mit eingeritzten zoomorphen oder anthropomorphen Figuren oder geometrischen Mustern versehen.
Prähistorische Funde differieren in ihrer Datierung zwischen annähernd 40.000 und 10.000 Jahren und erstrecken sich in ihrer geographischen Streuung in einem weiten Bogen, der von der Sahara über Spanien und Frankreich quer durch Deutschland führte und nach Norden hin in Schweden, nördlich von Göteborg, ausläuft, das andere Mal im Süden auf Sizilien endigt, während ein weiterer, nach Osteuropa reichender Ast, vor Kiew in Rußland endet.
Ein nördlich von Kiew gefundenes, aus Elfenbein geschnitztes bogiges Band trägt an jedem Ende drei Löcher, durch die es mit Riemen am Handgelenk als Armband befestigt werden konnte. Von verschiedenen Orten stammende, in ähnlicher Weise durchlöcherte Stücke wurden wahrscheinlich als Anhänger getragen. Bei einigen von ihnen erreichte die vertiefte oder erhabene Bearbeitung eine solche Feinheit, daß sie sowohl auf ein entwickeltes Formgefühle wie auf ein erstaunlich technisches Können schließen läßt. Vermutlich dienten diese Gegenstände vornehmlich magischen Bräuchen, offensichtlich aber hatten viele von ihnen zugleich dekorativen Zweck.
In prähistorischer Zeit war die Erdoberfläche noch großen Veränderungen unterworfen. Man nimmt an, daß die mächtigen Schmelzwässer der letzten Eiszeit den Meeresspiegel um etwa 75 Meter hoben und viele an Belegmaterial reichen Zonen überflutete. Jagd und Fischfang waren zumeist der einzige Lebensunterhalt der Menschen, und das bunte Gefieder seltener Vögel, Hörner und Felle schwer zu fangender Tiere und Meermuscheln schließlich gaben das erste Material zur Ausschmückung oft seltsam geformter und auffallend gefärbter Ziergegenstände ab. Benutzt wurden diese wohl bei kultischen Handlungen und Stammesriten oder auch als Zeichen sozialen Ranges. In erheblich jüngerer Zeit vermag das präkolumbische Kunsthandwerk, das auf einer weit zurückreichenden Überlieferung fußte, eine gute Vorstellung davon geben, wie auch früher schon Federn zur Verarbeitung ausgesucht und aufgearbeitet wurden. Leuchtend gefärbte Federn und Federbüsche fanden für Kleider, Mäntel und Kopfbedeckungen ebenso wie an sybolischen Ziergegenständen Verwendung, die erfinderisch und mit größter Sorgfalt ausgeführt wurden. Weitere Schuckformen bestanden in Hals- und Armbändern, in Mund-, Nasen- und Ohrringen, in Gehängen und ausgetüfteltem Kopfputz.
Die nächste Entwicklungsphase brachte die Entdeckung der Mineralien. Die Entdecker wurden durch Farbe, Gestalt und Reflexe gewisser glashaltiger Kiesel gebannt. Sie fanden heraus, wie man diese durchbohren konnte, um sie zuerst in ihrem natürlichen Zustand, später gerundet und poliert in blitzende Schmuckstücke zu verwandeln.
Sie lernten die Gegenden unterscheiden, wo ihre Suche den meisten Erfolg hatte, und ohne Kenntnis des geologischen Zusammenhanges schürften sie in alluvialen Ablagerungen: in ausgetrockneten Flußbetten und an Bächen, wo das Wasser alle Arten von Mineralien, die sich während der Entstehung der Erdkruste gebildet hatte, anschwemmte. Und Erfahrung lehrte sie, die oberste Bodenschicht zu entfernen und die darunterliegende, von Lehm bedeckte Schicht zu untersuchen. Hier fanden sich Kieselsteine der verschiedensten Formen und Größen, die, im Handumdrehen gereinigt oder durch Aneinanderreiben poliert, die Sonnenstraheln auffingen und zurückwarfen. Und ein noch so heftiger Schlag konnte sie höchsten abplatten, doch nicht zerschmettern.
Wann, wo und wie Gold entdeckt wurde, wissen wir nicht; es scheint jedoch gewiß, daß es eines der ersten vom Menschen entdeckten Metalle war.
Aus: Guido Gregorietti - Gold und Juwelen - Eine Geschichte des Schmuckes von Ur bis Tiffany. Milano 1969
Goldschmiede-Atelier KALLISTRA Inh. Birgit Gerresheim - Bonn Telefon 0228-2424243 - Beratung, Ideen, Reparatur - - Ausstellungen -

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